Empfinden
ÖsterreichDreifaltigkeit.

Österreichischer Meister: Heilige Dreifaltigkeit
Anfang 15. Jh.
Spätgotik
London, National Gallery

“Als der Pfingsttag gekommen war”, so beginnt Lukas seine Erzählung über die folgenden Ereignisse. Es ist demnach das jüdische Wochen- oder das Bundesfest, sieben Wochen bzw. fünfzig Tage nach Ostern, als sich alle Jünger und Jüngerinnen an dem Ort befanden, an dem Jesus das letzte Mahl mit den Aposteln gefeiert hatte (Apg 1,13-14). Noch befinden sie sich in einem geschlossenen Raum und warten auf das, was Jesus ihnen verheißen hatte: “Ihr werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft” (Apg 1,5) und: “Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde” (Apg 1,8).

Das war Verheißung und Aufgabe zugleich. Und die Verheißung erfolgte für die Jünger und Jüngerinnen unvorhersehbar und völlig überraschend. Lukas schildert das Ereignis wie ein ekstatisches Geschehen, das die Anwesenden aus ihrer dumpfen Abgeschiedenheit und Abgeschlossenheit heraustrieb und in die Öffentlichkeit stieß: “Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab” (Apg 2,2-4).

Sturm und Feuerzungen sind zweifellos Bilder, die Lukas hier für die ansonsten abstrakte Größe “Geist” verwendet. Nimmt man diese Bilder zu Hilfe, dann darf man vielleicht vermuten, dass damals ein einzigartiger Vorgang stattgefunden hat, der die Jünger innerlich ergriffen und äußerlich angetrieben hat, das Evangelium ohne Angst und Scheu, vielmehr mit Enthusiasmus in der Welt zu verkünden.