Hinschauen
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Der Winter nimmt sieben Anläufe - so sagt man -, aber irgendwann nimmt seine Stärke und Kraft ab. Der Schnee weicht, die Bäume und Sträucher haben das Weiß abgeschüttelt, und die Vögel hört man schon wieder lauthals zirpen und schilpen. Die beglückendste Zeit des Jahres beginnt, denn nun hat man die Kälte hinter sich und die Helligkeit, Wärme und die bunten Farben der Natur vor sich.

In diese Zeit der stärker werdenden Sonne fällt nicht zufällig das Ostergeschehen. Es wirkt wie eine Parallele zum Naturverlauf: die Tage der Trauer: Karfreitag und Karsamstag, dann die Tage der Auferstehung Christi, das Ereignis seines Sieges über das Dunkel und den Tod. Neues Leben wächst aus dem Kreuz.

Diese Nähe der erwachenden Natur und des triumphierenden Osterfestes hat Goethe in seinem Faust in unvergleichlicher Weise veranschaulicht. Faust macht sich am Ostertage mit seinem Famulus Wagner zum Spaziergang auf und erlebt die muntere und fröhliche Menge der Stadtbewohner, die ins Freie drängen und den Winter abschütteln. Er ruft aus:

„Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn;
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.“