Wahrnehmen
Masaccio.

Masaccio: Dreifaltigkeit
1427
Florenz, Santa Maria Novella

eine der frühesten Darstellungen mit perspektivischer Gestaltung

Es ist der Evangelist Lukas, der ein bestimmtes Datum für das Pfingstfest festgelegt und es vor allem inhaltlich umrissen hat. Die Größe “Geist” begegnet bereits häufig in den Evangelien, z.B. im Zusammenhang mit der Taufe Jesu. Markus berichtet, dass der Himmel sich über Jesus öffnete und “der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam” (Mk 1,10). Und nach Johannes verheißt  Jesus den Jüngern in seinen Abschiedsreden den “Beistand” (Joh 15,26;16,7-8) oder den “Geist der Wahrheit” (Joh 16,13-14), der wie ein Stellvertreter Jesu bei den kommenden Aufgaben wirkt. Bei Matthäus fordert der Auferstandene die Jünger auf, alle Menschen zu Jesu Jüngern zu machen und sie zu taufen “auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes” (Mt 28,19). Das alles klingt so selbstverständlich für die Ohren der Leser und Hörer, obwohl nirgendwo eine Erklärung vorliegt für die Existenz der - wie man später sagt -  dritten Person der Dreifaltigkeit.

Lukas ist gegenüber den anderen Evangelisten der konkrete Erzähler, der den Schleier von dieser geheimnisvollen Größe hinwegnimmt und den göttlichen Geist in einer spektakulären Szenerie in die Geschichte eintreten lässt. Das hebt die Aussagen in den übrigen Evangelien nicht auf. Denn der Heilige Geist ist ja von Ewigkeit da. Nur offenbart er sich zum Pfingstfest unmissverständlich den Anhängern Jesu und der Welt.